Dienstag, 9. Februar 2016

Wie wir zu Marlon und Brando kamen

Oder - wie alles mit einem Foto begann!
Und zwar diesem hier:
Es war August 2014. Wir hatten unseren ersten gemeinsamen Urlaub schon eine Weile geplant. Es sollte nach Mallorca gehen. Als Hundefreunde stand natürlich auch ein Besuch beim in der Nähe gelegenem Tierheim bzw. der Perrera auf dem Programm. Wir wollten ein wenig helfen, Futter spenden und vielleicht mal mit der einen oder anderen Fellnase spazieren gehen. Also informierten wir uns im Vorfeld online und stießen auf die Mallorca Tierrettung und deren Facebook Seite. (tolle Leute, bitte alle unterstützen!!!)
Diese berichteten eines Tages über das Schicksal dieser beiden Beagle/Pointer Jungs namens Marlon und Brando, die ihnen zugelaufen waren. Jetzt saßen sie da in ihrer Ecke, mir ganz viel Angst aber auch ganz viel Hoffnung in ihren Augen. Aber, wir hatten im Traum nicht vor uns einen Hund anzuschaffen geschweige denn zwei! Wir sprachen nicht einmal drüber!

Also begann unser Urlaub. Wir lagen am Strand, genossen die Sonne und gingen gemütlich essen. Wie es sich für ein junges Paar so gehört. Und dann kam der Tag, der alles verändern sollte. Wir fuhren also nach Felanitx - wo wir das kleine Tierheim fast nicht fanden, weil unsere Vorstellungen davon, was ein Tierheim ist definitiv andere waren.
Die Perrera lag am Ende eines kleinen Feldwegs, neben einer, im Gegensatz prominent wirkenden, Kläranlage. Auf dem Weg kam man an einem Bauern vorbei, der Schilder aufgestellt hatte, die Hunde auf seinem Gelände verboten. So sind sie ...  Auf die Perrera wies nur ein kleines Schild am Tor hin, das wir aus dem Auto auch noch übersahen. Also dachten wir, wir fragen mal die sympathische, junge Dame, die da grade mit ihrem Wagen hielt, ob sie etwas über ein Tierheim in der Nähe weiß. Und wie das Schicksal es so wollte, war diese junge Dame die Sissy. Sissy ist Deutsche, lebt auf Mallorca und leitet das Tierheim dort. Ohne sie in diesem Moment, wären wir vermutlich umgekehrt.
Sie nahm uns also mit und zeigte uns die Perrera. Wer sich einen genaueren Eindruck machen möchte über die Perrera, folge dem Link.
Sie zeigte uns erst den Außenbereich mit den kleinen Hunden und erzählte ein wenig über sich und die Arbeit die das ganze Team dort leistet.

Dann ging es in den Innenbereich. Marlon und Brando waren mit zwei anderen Hunden gleich im ersten Zwinger rechts. Frauchen behauptet, beim Herrchen und Brando war es Liebe auf den ersten Blick und er hätte sich die anderen Hunde garnicht mehr anschauen wollen. Aber ganz so war es natürlich nicht. Aber ja, die zwei hatten unsere Herzen bereits berührt. Und weil die Sissy ja ein Fuchs ist, hat sie uns die beiden auch gleich zum Gassi-Gehen mitgegeben. Nun, was soll man sagen. Natürlich waren die zwei von Anfang an dabei uns zu bezirzen. Wir waren nach dem ersten Spaziergang - denn es sollte nicht der Letzte bleiben - schon sehr verknallt in die zwei.



Der Abend allein zu zweit und ohne die beiden Fellnasen war bereits hart. Wir sponnen rum wie zwei Verliebte vor dem nächsten Date und machen schon das nächste Treffen aus.
Auf der anderen Seite des Telefons in Deutschland tönte Frauchens Mutti "Kommt mir bloooß nicht mit einem Hund nach Hause!" "Nein!" haben wir uns gedacht "wenn, dann mit zwei!" ;)
An diesem Punkt hat das aber noch niemand für realistisch gehalten. Weder wir, noch die Verwandten in Deutschland - nur Marlon und Brando haben es schon gewusst haben sie uns mal geflüstert. Wir haben sofort gewusst: "Das sind unsere neuen Menschen!" Wir kamen noch zweimal wieder und haben die zwei besucht. Einmal haben wir das Auto und ganz, ganz viel Zeit mitgebracht. Der Samen der Entscheidung war bereits zu einer kleinen, zerbrechlichen Pflanze gekeimt und wir wollten die letzten Zweifel aus dem Wege räumen. Also stand "Alltag" auf dem Programm.
Ein langer Spaziergang, hoch zum Castell de n'Amer, fahren im Auto und Begleitung durch die zwei in ein Café. Insgeheim haben wir vielleicht noch ein wenig gehofft, dass es eine Katastrophe wird und wir uns auf den letzten Metern noch um entscheiden "müssen". Denn entschieden hatten wir uns insgeheim bereits. "Leider" ging alles ziemlich gut. Marlon freute sich wie ein Schnitzel über jeden Büschel Gras den er sah und wälzte sich wie ein Verrückter darauf. Und Brando stieg uns voller Vertrauen schon auf den Schoss um uns die Gesichter abzulecken. Einmal hat er sich sogar schon vom Herrchen einen Felsvorsprung runter tragen lassen. Das Vertrauen war von der ersten Sekunde bedingungslos vorhanden.


Nach einer kurzen Nacht voller Diskussionen und Abwägungen entschieden wir uns noch vor Ort und kurz vor Ende unseres Urlaubs FÜR die beiden Fellnasen! Wir unterschrieben die Verträge und verabschiedeten die beiden für eine unbestimmte Zeit. Denn, fliegen durften sie noch nicht. Sie waren frisch geimpft und so mussten Flugpaten gefunden werden, die die beiden später mit nach Deutschland brachten. 
Es fiel uns sehr, sehr schwer die beiden dort zu lassen, denn wir hatten sie ein für allemal in unsere Herzen geschlossen. 

Aber, so konnten wir uns in Deutschland in der Wartezeit damit beschäftigen, die Wohnung hundegerecht zu machen - uns mit allen sinnigen und unsinnigen Utensilien einzudecken und Bücher über Hundeerziehung zu lesen.


Sissy versorgte uns in der Wartezeit mit Fotos und Informationen zu den zwei Fellnasen - und wir bildeten uns ein, dass man ihnen ansehen konnte, dass sie uns genauso vermissten, wie wir sie! Es ist wirklich sehr seltsam, wenn ich mir die zwei, während ich das hier schreibe angucke, wie sie brav in ihrem Körbchen schnarchen - dass es gerade mal 16 Monate her ist, dass wir sie dann schlussendlich in Hamburg vom Flughafen abgeholt haben. Die zwei größten Chaoten auf der Welt - Marlon kroch auf dem Bauch in unsere Wohnung und sein neues Zuhause. Soviel Misstrauen steckte nach dem stressigen Flug noch in ihm, während Brandos erster Weg im Vollsprint Richtung Bett ging. Den Plan, die zwei nicht im Schlafzimmer und nicht im Bett schlafen zu lassen erübrigte sich auch ziemlichschnell. Aber all die Geschichten erzähle ich zu einem anderen Zeitpunkt. Da wüsste ich nicht, wo ich anfangen sollte. :)

Zu viel ist passiert seitdem - 2 1/2 Umzüge haben die zwei mitgemacht und an das Leben als Bürohunde mussten sie sich auch gewöhnen. Ganz abgesehen von dem doofen Herrchen, das ihnen ständig eine Kamera vor die Nase hält. Aber sie genießen auch die Aufmerksamkeit und lieben tut sie eh jeder, der sie kennenlernt! ;)